St. Lukas

Baugeschichte: Schweinfurt hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch nach Nordosten, im Bereich des Hochfeldes stark ausgedehnt. Dort entstand zwischen 1966 und 1969 mit St. Lukas die bisher letzte der evangelischen Pfarrei der Stadt. Auch diese junge Kirchengemeinde, zu der noch der Stadtteil Deutschhof gehört, ging aus der Mutterpfarrei St. Johannis hervor und verlangte in den neuen Baugebieten nach einem eigenen Kirchen-Zentrum. Die Pläne schuf Prof. Johannes Gerhard Weber (1909 – 1986) von der Technischen Universität München. ( vgl. Artikel bei: http://de.wikipedia.org) Er hat dabei versucht, in die Konzeption seine Vorstellungen von der Zukunft des evangelischen Kirchenbaues einfließen zu lassen. Entstanden ist eine städtebaulich äußerst interessante Lösung, die zugleich ein Zeugnis für die Experimentierfreudigkeit der späten sechziger Jahre ablegt.

Die Kirche erhebt sich auf einem hohen Sockel in der Form eines Zeltes. Sie wird von weiteren Gebäuden des zugehörigen Gemeindezentrums umgeben. Im Erdgeschoss befindet sich ein Gemeinderaum und darüber im Obergeschoss der Gottesdienstraum mit etwa 300 Sitzplätzen.

Eine Besonderheit von St. Lukas ist es, dass auf einen Glockenturm erstmals verzichtet wurde. Die drei Glocken des Geläutes wurden unterhalb des großen Kreuzes in einer zur Segnitzstraße offenen Glockenkammer aufgehängt. Während die kleinste Glocke als Taufglocke dient und, aus vorreformatorischer Zeit stammend, aus der Mutterkirche St. Johannis übernommen wurde, sind die beiden anderen Glocken Stiftungen von Gemeindemitgliedern: Willi und Gerda Hartmann spendeten die „Vaterunserglocke“, Karl und Maria Gundrum die „Abendglocke“. Beide Glocken wurden 1968 bei den Gebrüdern Rincker in Sinn im Dillkreis nahe Wetzlar gegossen.

St. Lukas aus der Luft – Aufgenommen 2006 aus einem Ballon von Herrn Dr. Werner Ruf

Der Innenraum der Kirche betont den zugrunde liegenden Zeltgedanken besonders stark, während die südliche Giebelwand aus einer 130 qm großen Fensterwand besteht. Oberhalb eines Sockels hinter dem Altar erhebt sich ein über 8 m hohes Altarbild aus Glas. Das von Johannes Hewel aus Rot am See (1947 – 2009 – Professor für Glasgestaltung und Freie Malerei der Kunstakademie Stuttgart) geschaffene Werk wurde am 1. März 1992 eingeweiht. Es interpretiert zusammen mit seiner aufklappbaren Predella, die neun Linolschnitte des gleichen Künstlers aufweist, das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus dem 15. Kapitel des Lukasevangeliums. Dabei setzt das Altarbild einen starken und belebenden Akzent in das sonst vorherrschende Weiß und Grau des zeltartigen Kirchenbaues.

Überhaupt wurden im Inneren auch bei der übrigen Ausstattung weitere solcher oft überraschenden Akzente gesetzt. So z.B. bei der Anordnung des Gestühls, das diagonal durch das weite Kirchenschiff auf den Taufstein (rechts vom Altar) hin geteilt wird. Der Taufstein ist als Kugel gestaltet, die von einer flachen Schale umgeben wird und die Erdkugel abbildet. Wie der Taufstein sind auch Altar und Kanzel sowie der Fußboden aus weißem griechischen Marmor, der der „werkartigen“ Architektur des Innenraumes eine noble Note verleiht

St. Lukas von innen – Foto: Eckart Wittmann 2009

„Darum passt die Lukaskirche zur Kultur in Schweinfurt; Viel Glas, viel Beton und viel Aluminium wird durch eine von außen industriell anmutende Architektur vereint. Zugleich passt sie zum christlichen Glauben: Ein Zelt bietet Platz für viele Menschen, ist offen und einsehbar für Gläubige und Ungläubige und weist darauf hin, dass das .wandernde Gottesvolk‘ auf den Weg gerufen ist. Ebenso passt sie zu den Erfahrungen des Lebens; Mühe kosten die Wege mit Stufen und Treppen. Zuletzt passt St. Lukas zur Hoffnung: Helles Licht, weiße Flächen, leuchtende Farben finden sich in einem Raum ohne gegenständliche Abbildungen. Dies weist darauf hin, dass der unsichtbare und ungreifbare Gott aller Schöpfung ein Ziel setzt, das aus dem Dunkel führt“ (Frank Witzel).

Aus: „Evangelische Kirchen in Schweinfurt „, 1. Aufl., Regensburg: Schnell und Steiner (Hg.), 1997 (Große Kunstführer; Bd. 201) ISBN 3-7954-1143-2

(S. 45f.)

Das Altarbild von Johannes Hewel mit dem Zitat aus Lukas 15,11ff.