Aktuelle Andacht online

Onlineandacht zur 5. Sonntag in der Passionszeit (29.03.2020).

Liebe Geschwister in Christus,

haben Sie ETWAS vermisst?

Bestimmt hat jeder Mensch in dieser Zeit der Corona-Krise etwas vermisst. Die Lehr- und Erzieherkräfte vermissen die Schreie oder Stimme der Kinder. Die Leute, die in den Geschäften arbeiten vermissen ihre Kunden, denen sie ganz nah kommen und sie fragen, „Kann ich Ihnen helfen?“ Die Menschen, die im Büro arbeiten vermissen ihre Kolleg*innen, wem sie jeden Arbeitstag früh Hände schütteln oder sich kurz unterhalten bis ihr Computer an wird.  

Auch in der Kirche vermissen wir vieles. Manche vermissen ihre liturgischen Orte, wo sie sonntags stehen und Menschen vor Gott bringen. Manche vermissen die Kanzeln, wo sie stehen und das Evangelium verkündigen. Manche vermissen Pult, wo sie Lektionar aufschlagen und die Bibeltexte vorlesen oder Abkündigungen vorlesen. Manche vermissen die Kerzenständer, wo sie die Kerzen entzünden, um zu zeigen, dass Jesus das Licht der Welt ist. Manche vermissen die Empore, wo sie den Gottesdienst mit Musik begleiten und die Besucher und Besucherinnen damit erfreuen. Manche vermissen ihren bestimmten Sitzplatz in der Kirche.

Es gibt noch was wir vermissen. Singen, beten, Live-predigten, Gemeinschaft, Kirchenkaffe und Gespräche miteinander und vieles mehr. Ja, wie wir momentan mit unseren Situationen umgehen und die Lösungen in dieser Zeit sind ungewöhnlich, vielleicht auch unangenehm. Es war genauso bei Abraham, der aufgefordert wurde, um etwas Ungewöhnliches zu tun, wie steht in der Lesung für den heutigen Sonntag im 1Mose 22, 1-19. In diesem Text steht geschrieben, dass Abraham in das Land Morija gehen und seinen Sohn Isaak opfern sollte. Abraham hat bisherig keine Gotteserfahrungen über Kinderopfern um Gott zu gefallen. Sie waren zu jener Zeit auch in heidnischen Kulten selten. Ungewöhnlich war für Abraham nicht nur das Opfer eines Kindes, sondern auch der Ort. Dort gibt es keinen Tempel, keinen Altar. Es ist nicht ein Ort wo man Gott ein Brandopfer opfern kann. Ungewöhnlich, Unbequem, Unangenehm.  

Es ist auch genauso bei uns in diesem Corona-Risiko. Allein zu Hause zu bleiben, Isoliert zu werden, Abstand von Menschen zu nehmen, jeden Tag die Todesfälle in vielen Ländern wegen eines winzigen Virus zu hören, die Lebensmittel in den Supermärkten schnell weg zu werden und vieles mehr sind nicht was überhaupt passieren sollten. Wir sind aber von dieser Krise aufgefordert, so eine Situation zu erleben. Vielleicht kommen wir nicht zu recht mit Online-Andacht, -Treffen oder andere Online- Veranstaltungen. Unser Altar zu Hause (falls es gibt) wo wir unsere Kerzen entzünden und zu Gott beten, unser Singen entweder allein oder mit Familie gefallen uns vielleicht nicht genau wie wir sie mit anderen Christen und Christinnen in der Kirche erlebt haben. Fast alle Menschen fragen, wie lange diese Krise dauern kann.   

Durch eine ungewöhnliche und unangenehme Situation erscheint aber, liebe Schwestern und Brüder, eine neue Gotteserfahrung. Auf dem ungewöhnlichen Ort hat Abraham einen Altar für sein Brandopfer gebaut. Dort begegnet Abraham dem Engel Gottes. Dem Engel Gottes, der mit einer Befreiungsbotschaft zu ihm gekommen ist. Abraham hat dem Ort einen neuen Namen gegeben, „Der Herr sieht! Abraham war Gott gehorsam. Sein Sohn Isaak wurde gerettet. Anstatt seines Sohnes wurde ein Widder geopfert. Abraham und seine Nachkommen wurden gesegnet. Auf dem Berg in Morija, wo Abraham seinen Sohn opfern sollte, hatte David später einen Altar für Gott errichtet (2 Sam 24, 16ff.). Dort hat Salomo später seinen Tempel errichtet (2 Chr. 3,1). Der unbequeme Ort, die unbequeme Situation wurde für Abraham und viele Menschen zu einem Segen.

Deshalb sollen wir in dieser Zeit Gott gehorsam sein, wie Abraham. Wir sollen eine neue Erfahrung mit Gott sammeln, obwohl diese Krise unfassbar und untragbar ist. Durch diese ungewöhnliche Gotteserfahrung können wir den Wegen Gottes neu begegnen. Die Wege Gottes, die uns zu einer Freude führt. Die uns zu einer lebendigen Gemeinschaft in der Gesellschaft, in der Familie und in der Kirche führt. Lasst uns diese Zeit als eine Chance nutzen, um nachzudenken über einen guten Familienzusammenhalt, gute Gemeinschaft, große Interesse an Teilnahme an den Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen und vieles mehr, die in unserer Generation als altmodisch angesehen wurden. Alles was wir in dieser ungewöhnlichen Zeit vermisst haben, lädt uns ein, um wahrzunehmen wie es uns wichtig ist. Es lädt uns ein, um zu erleben, wie Gott in unbequemen Zeiten auch in unserem Leben erscheint und eingreift, um uns eine Frohbotschaft der Rettung hören zu lassen, wie Abraham. Die Rettungsbotschaft, die im Neuen Testament durch Osterfreude offenbart wurde. Wenn wir glauben, dass Gott uns und alle seine Geschöpfe sieht, dann erfahren wir ihn und seinen Weg neu.  Amen.  

Gott segne sein Wort an uns allen. Bleiben Sie behütet.

Pfr. Mulugeta

Wochenspruch

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Wochenspruch für Woche 14

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Wochenspruch für Woche 13

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„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Joh 12,24

Liebe Gemeinde,

“Mama, ich kann nicht mehr denken.

Ich glaub’, ich hab’ Fieber.

Ich glaube, ich will das nicht.

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