Wochenspruch für Woche 28

Wochenspruch für Woche 28

„Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Eph 2,8

Liebe Gemeinde,

Es ist heiß und staubig. In einer unwirklichen Landschaft, irgendwo im wilden Westen stehen sich zwei Cowboys Auge in Auge gegenüber. Im Hintergrund ertönt eine Mundharmonika. Sie spielt immer nur monoton eine kurze Sequenz aus vier Tönen. Sogenannte „Blue Notes“, die schräg in den Ohren jucken. Ein Lied, das eingängig, grausam an den Nerven sägt. Dann kommt es zum Showdown. Der Held des Films, erschießt den schwarz gekleideten Bösewicht. Im Angesicht des Todes, fragt der Bösewicht den Cowboy: „Wer bist du?“. Dieser reißt die Mundharmonika, die an seinem Hals hängt, von sich und stopft sie dem anderen in den Mund. Und der versteht: Es ist die selbe Mundharmonika, die der Bösewicht dem Helden des Films einst zum Spaß in den Mund gelegt hat, als er dessen Vater hingerichtet hat. Das geschieht ihm recht.

Egal, ob man den Film und dessen Handlung kennt, man kennt dieses markante Mundharmonika-Solo, die großartige Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“. Der Komponist Ennio Morricone verstarb diese Woche im Alter von 91 Jahren. Es gelang Ennio Morricone das menschliche Gefühlsgeflecht von Wut, Verzweiflung und Hass auf der Suche nach Gerechtigkeit in diesem kurzen Musikstück zu verdichten.

In unserem Leben mag es nun hoffentlich nicht so dramatisch zugehen wie im Western. Doch so manche Verletzungen, Demütigungen und gewisser Ärger können schon tief sitzen. Alte Wunden brechen selbst nach Jahren immer wieder durch. Wenn die alte Melodie erklingt: wenn man an seine Verletzung erinnert wird und sich die Gelegenheit nach Rache ergibt. Dann ist die Versuchung groß, sich die lang ersehnte Gerechtigkeit zu verschaffen. Wie im Western, der für eine gnadenlose Gerechtigkeit steht: Wem die Stunde schlägt, der hat die gerechte Strafe zu erwarten. Dahinter steckt die Vorstellung, dass es gerecht ist, gleiches mit gleichem zu vergelten. „Wie du mir, so ich dir!“ Als könnte man Schuld miteinander verrechnen oder ableisten.

Das mag sich „gerecht“ anfühlen. In Wirklichkeit ist es nur ein Lecken unserer Wunden, die hinter dem Wunsch nach Rache stecken. Dabei müssen sie verbunden werden. Sie müssen heilen dürfen. Wir müssten es zulassen, dass Jesus uns aus unserem Drang nach Rache herausreißt und uns zeigt, dass das Leben viel größer ist als unsere Verletzungen. Anstatt immer wieder das Lied vom Tod anzustimmen, können wir darauf vertrauen, dass es bei Gott die letzte Gerechtigkeit gibt. Und dass er uns ein Leben eröffnet, das viel größer und schöner ist als die triste Einöde eines Westerns.

Er ist gnädig zu uns Menschen. Für ihn zählt, dass wir an ihn glauben. Nicht, weil wir es verdient hätten. Sondern weil Gott uns aus unserer Verletzung retten will und uns – aus purer Gnade – das Lied zum Leben spielt.

 

Bleiben Sie behütet,

alles Gute und Gottes Segen

 

Pfrin. Sigrid Ullmann

Wochenspruch für Woche 28

Wochenspruch für Woche 28

„Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Gal 6,2

 

Liebe Gemeinde,

seit letztem Donnerstag ist es beschlossene Sache: Die Grundrente für alle kommt. Bezugsberechtigt ist jede(r), der/die mindestens 33 Jahre gearbeitet, Kinder großgezogen oder Familienangehörige gepflegt hat. Gut – das sind ehrenhafte Tätigkeiten, die bisher wenig berücksichtigt wurden. Dennoch sitzt der Ärger bei manch einem tief: Ist die Grundrente nicht unfair gegenüber jenen, die seit der Lehre immer Vollzeit gearbeitet und brav eingezahlt haben? 40 Jahre und mehr. Und am Ende nicht mehr besser da stehen als die Nichteinzahler? Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Dahinter steckt die Logik: Wer viel geschafft hat, darf auch viel kriegen. Wer weniger geleistet hat, muss sich eben mit weniger begnügen. Sonst passt das ganze System nicht mehr. Deshalb können wir als Gesellschaft nicht einfach die Lasten von denjenigen tragen, die zu wenig in die Kasse eingezahlt haben.

Als Christen werden wir vom heutigen Wochenspruch aufgefordert, es dennoch zu tun. Damit wir das Gesetz Christi erfüllen. Damit wir verstehen, was die Gerechtigkeit ist, die bei Gott gilt: das Gesetz, das Jesus gelebt hat. Indem er zu denen gegangen ist, die es nicht verdient hatten: die chancenlos waren, die nicht genügend vorweisen konnten, nicht mehr mitkamen. Bei Gott liegt die „Würde“ eines Menschen nicht am Geld oder an seiner Produktivität, sondern darin, dass er von Gott geliebt ist. Wer dies anerkennt, der erfüllt die Gerechtigkeit Gottes.

 

Einer trage des anderen Last – auch wenn der andere „nur“ sein Minimum gezahlt hat, weil es aus welchen Umständen auch immer nur zum „Minijob“ reichte.

 

Es mag dem ein oder anderen manchmal ungerecht vorkommen, wenn die Allgemeinheit für Menschen aufkommt, die weniger Leistungen vorzuweisen haben. Doch nach Gottes Gesetz hängt das, was jemand verdient hat, nicht an dem, was er geleistet hat. Sondern an seiner Würde. Die gibt Gott uns allen.

 

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

 

Pfrin. Sigrid Ullmann

Wochenspruch für Woche 27

Wochenspruch für Woche 27

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Lk 19,10

Liebe Gemeinde,

die Unbeschwertheit des Sommers liegt über uns: die Sonne scheint am wolkenlosen Himmel, Urlaubsstimmung, Eis-essen, Freunde treffen, … man könnte die Epidemie fast vergessen. Während die einen die Tage genießen, sitzt bei anderen die Enttäuschung und Wut über die letzten Wochen tief. Am Wochenende entlud sie sich in Stuttgart. Als eine Drogenkontrolle eskalierte, demolierten junge Männer die Innenstadt und gingen auf Polizisten los. Wut und Enttäuschung auf den Staat, die Polizei, die Politiker, die rückblickend angeblich zu wenig oder das Falsche gemacht haben, um ihre Bürger zu schützen. Manch einer sieht hier sogar eine große Weltverschwörung am Werk.

Wut und Enttäuschung auch in der Gemeinde, über den Lockdown, die Kirchenleitung bis hin zu Gott, der diese Pandemie zugelassen hat. Jeder hat etwas, was ihn/sie auf die Palme bringt.

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ dieses Schriftwort stammt aus einer Geschichte, in der etwas viele Leute auf die Palme bringt.

Als Jesus mit seinen Jüngern durch Jericho zieht, klettert der Zöllner Zachäus auf einen Baum, um Jesus zu sehen. Jesus wird auf Zachäus aufmerksam und besucht ihn bei sich zu Hause. Die Begegnung mit Jesus führt dazu, dass Zachäus ein neues Leben beginnt und die Hälfte seines Besitzes an Bedürftige verschenkt. Die Menschen in Jesu Umgebung verstehen die Welt nicht mehr. Sie sind enttäuscht und wütend, weil Jesus bei einem ausbeuterischen Zöllner eingekehrt. Der Zöllner Zachäus ist ein stadtbekannter Betrüger, der sich jahrelang an der Not der Menschen bereichert hat.

 

Doch Jesus ist egal, was gestern gewesen ist. Was alles falsch gemacht worden ist. Der Augenblick zählt: Dass man etwas erkannt hat und es jetzt richtig gemacht wird. Gott spricht uns immer wieder an, von unserer Palme und unserem Baum herunterzukommen, uns miteinander zu versöhnen und ein neues Leben zu beginnen.

In der Vergangenheit nach Fehlern und Schuldigen zu fragen, reibt auf. Als der Lockdown kam, waren wir alle ohnmächtig und verloren einer Situation gegenübergestanden, die wir so noch nie erlebt hatten. Für die es keinen Masterplan gab. Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen, wie man es hätte besser machen können. Doch es übersieht, dass alle in dieser Situation ihr Bestes gegeben haben. Schuldgefühle, Wut und Enttäuschung verhindern, dass wir im hier und jetzt leben. Wir verlieren die Orientierung in einem Gedankengebüsch der Rechthaberei: Wir sind Auf der Suche nach Bestätigung von dem, was wir für das absolut Richtige halten. Und weil keiner sich genau so verhalten hat, wie wir es wollen, bringt uns das auf die Palme. Dabei übersehen wir, wie viele hilfreiche Ideen es gegeben hat. Wie viele gute und richtige Maßnahmen schon durchgeführt wurden. Die vielen kleinen Schritte, die zwar nicht alles gelöst haben, aber doch einiges Gutes bewirkt haben. Wo viele vieles richtig gemacht haben.

Wo sitzen oder stehen Sie? Oben auf der Palme bei den Wutbürgern und Weltuntergangspropheten oder unten: neben Jesus. Der uns darauf aufmerksam macht, dass alles Fehlerhafte und Falsche in der Vergangenheit nicht entscheidend ist. Bei ihm ist keiner verloren, solange er/sie sich dafür entscheidet, jetzt das richtige zu tun. 

Bleiben Sie behütet.

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin. Sigrid Ullmann

Wochenspruch für Woche 26

Wochenspruch für Woche 26

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matt 11,28

Diese Woche wurde wieder auf den Straßen demonstriert. Diesmal ging es um das Grundgesetz.  Es geht um den Artikel 3, indem steht, dass niemand diskriminiert werden darf auf Grund seiner Rasse. Die Tatsache, dass in dem Artikel das Wort „Rasse“ steht, empfindet mancher selbst schon als Rassismus. Das Wort „Rasse“ drückt aus, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft biologisch gesehen anders wären. Was zu der Haltung führt, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft auch sozial einen unterschiedlichen Stellenwert haben.

Ein Gesetz, dass allen Menschen in Deutschland Frieden, Sicherheit, Gleichheit garantieren soll, wird so zur Last. Eine weitere Erschwernis für Mitbürger fremder Herkunft, die häufig Diskriminierung und negativen Vorurteilen ausgesetzt sind. Überlegungen, die wahrscheinlich für die meisten von uns weit weg sind. Doch sie legen den Finger in die Wunde, wie viele Menschen sich in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft, ihres Körpers, Geschlechts, Alters, Glaubens, politischen Ansichten nicht angenommen und verstanden fühlen.

Es ist allzu typisch für uns Menschen, dass wir andere ausgrenzen oder nicht ernstnehmen, weil sie anders sind als wir. Das Wort für diese Woche, sagt Jesus nachdem er sich seinen Frust über die Städte, die seine Predigt nicht angenommen haben, abgelassen hat. Er und sein Wort war anders, als das was andere Rabbiner und Gelehrte über Gott gepredigt hatten. Anfeindungen, aufgrund des „Andersseins“ hat er am eigenen Leib erfahren. Darum war es ihm so wichtig zu den Menschen zu gehen, die mühselig und beladen sind, um diese wiederaufzubauen. Dort, wo man die Haltung spürt, dass man willkommen und angenommen wird, da wird man mit all dem Kummer und den Sorgen, die man mit sich trägt, aufgebaut.

So haben wir als Christen, als Kirche den Auftrag gerade für all die Menschen da zu sein, denen es nicht gut geht. Doch immer weniger Menschen kommen zu uns in die Kirche. Vielleicht merken wir nicht, dass wir Menschen ausschließen? Wenn wir zum Beispiel in Gottesdiensten eine traditionelle Gottesdienst-Sprache sprechen und hochgeistige, theologische Wörter verwenden, Gottesdienstabläufe, die Menschen nicht verstehen können und nicht zu ihren Lebensgewohnheiten passen. Dann ist es umso wichtiger, dass wir in der Kirche Formen, Sprache und Worte so verändern, dass sich Menschen bei uns willkommen fühlen. Damit die „Mühseligen und Beladenen“ gerne zu uns kommen.

Bleiben Sie behütet.

Alles Gute und Gottes Segen

Ihre Pfrin. Sigrid Ullmann

Gut Deutschhof öffent wieder

Gut Deutschhof öffnet wieder!

Ab 21. Juni finden im Gut ab 10 Uhr wieder Gottesdienste statt.

Endlich geht es wieder los im Gut. Ab dem 21. Juni um 10 Uhr gibt es dann wieder Gottesdienste.  Dazu müssen wir einige Auflagen erfüllen, schaffen es aber trotzdem über 30 Personen einen Platz anzubieten. Unser Helferteam wird sie dort Begrüßen und in die aktuellen Regelungen einweisen. Bitte denken Sie an Ihre Mund-Nasen-Abdeckung.

Da wir aktuell noch zu wenige im Helferteam sind, können die Gottesdienste nur im 14 tägigen Rhythmus stattfinden. Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, dann melden Sie sich gerne im Pfarrbüro oder schreiben uns HIER eine Nachricht.

Ab Sonntag 17. Mai 2020 wieder Gottesdienste!

 

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