Wochenspruch fürWoche 32

Wochenspruch fürWoche 32

„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Eph 5.8b.9

Liebe Gemeinde,

es ist Sommer. Die Sonne scheint über einem meist Wolkenlosen Himmel, es ist hell, trocken und heiß. Eine wunderbare Ferienstimmung und Leichtigkeit legt sich über unsere Region. Die Sonne tut unserer Seele und unserem Körper gut. Doch sich in die Sonne begeben, kann auch zur Herausforderung werden, wenn man in der Mittagszeit aus dem Haus geht. Die Strahlen der Sonne scheinen alles gnadenlos zu verbrennen, was ihnen zu lange ausgesetzt ist.

In der christlichen Tradition steht die Sonne gerne für Jesus selber. So z.B. in dem Lied „Sonne der Gerechtigkeit“, wo es heißt: „Gehe auf zu unserer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann.“ Das Licht, das von Jesus ausgeht, seine Liebe, die bis zur Selbstaufopferung ging, sollte uns erfüllen. Denn er ist ja unser Licht – und wir seine Kinder.

Sollte. Denn im Schatten des Kreuzes ist es manchmal weniger anstrengend, das Sonnenlicht weniger aggressiv. Da scheinen dann die Lichtstrahlen neben uns vorbei. Wir sind ja prinzipiell schon Lichtmenschen, die sich gern mal sonnen. Wir spenden schon mal für „Brot für die Welt“, erziehen unsere Kinder zu Fairness und sozialem Miteinander. Aber man muss ja nicht immer im prallen Sonnenschein stehen. Wenn man hier und da mal über jemanden schlecht redet, wenn einem hier und da mal ein falsches Wort aus dem Mund fährt, wenn man mal hier oder da nicht so ganz fair mit seinen Mitmenschen ist. Wir machen das meistens nicht bewusst, wir machen einfach mit. So schlimm kann das ja auch nicht sein. Man kann schließlich nicht die ganze Welt ändern/retten. Um im Bild zu bleiben: wer kann schon in die Sonne schauen?

 

So wenig wir mit unseren Augen in die Sonne sehen können, weil ihre Strahlen viel zu stark für unser Augenlicht sind, so wenig können wir die Güte, die Gerechtigkeit und die Wahrheit sehen und verstehen, die von Christus ausgeht. So wie wir mittags im Sommer, wenn die Sonne im Zenit steht, eine Kopfbedeckung, Sonnencreme und eine Sonnenbrille brauchen, so verstecken wir uns manchmal hinter unserer beschränkten menschlichen Sicht, mit dem, was für uns gut und richtig zu sein scheint.

 

Im Schatten Jesu verstecken wir uns Hinter fadenscheinigen Argumenten und einem sicheren Auftreten. Denn wir machen eben oft nicht nur mit, sondern wir machen gern mit. Es passiert, man lässt es aber auch passieren. Wir verstecken im Schatten der Sonne unseren Eigennutz, unsere Rache für Verletzungen, unser Bedürfnis nach Anerkennung. Im Hintergrund stehen oft Einsamkeit, das Gefühl der Wertlosigkeit, die Sehnsucht, dazu zu gehören, der Wunsch, gesehen zu werden. Solche Erfahrungen liegen wie Schatten auf unserer Seele und wir suchen nach etwas, das wieder Helligkeit und Freude in unser Leben bringt.

 

Dabei kommt es gar nicht darauf an, sich vom Glanz des Lichtes blenden zu lassen. Wir müssen keine Helden werden, keine leuchtenden Vorbilder für unsere Gesellschaft. Wir müssen uns doch nur von dem Licht Jesu erfüllen lassen. Ein paar Minuten Sonnenbaden. Und dann als Sonnenmenschen leben.

 

Wir mögen zwar selber nie so hell leuchten und strahlen können wie die Sonne Jesus Christus, doch wir können versuchen, ein Kind der großen Sonne, ein Lichtstrahl zu sein. Dazu fordert uns der Wochenspruch auf.

 

Und verspricht uns: wer so lebt, der wird gütig, der wird als gerecht wahrgenommen – und kommt Stück für Stück der Wahrheit immer näher.

Bleiben Sie behütet

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin. Sigrid Ullmann

Wochenspruch für Woche 31

Wochenspruch für Woche 31

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Eph 2,19

Liebe Gemeinde,

mit einem riesigen medialen Aufgebot wurde letzten Freitag das muslimische Abendgebet in der ehemaligen Kirche Hagia Sophia begangen. Von überall kamen Menschen teilweise sogar aus dem Ausland angereist um dieses geschichtsträchtige Ereignis mit zu erleben. Der türkische Präsident Erdogan leitete persönlich als Vorbeter den Gottesdienst ein. In einem Interview sagte er: „Ein Sieg über das Christentum!“

Hier hatte anscheinend gefühlt ein langer, erbitterter Kampf statt gefunden (auch wenn man das als Christ wahrscheinlich gar nicht so richtig mitbekommen hatte, weil einem die Hagia Sophia Wurst ist). Die ehemals größte Kirche der Antike wird zum Politikum, zum Ort der Machtdemonstration.

Es ist nicht das erste Mal, dass dies mit dieser Kirche geschieht. Schon bei ihrem Bau ging es weniger um Frömmigkeit, als vielmehr um: Macht. Ein Machtkampf zwischen dem römischen Kaiser und seinem Senat. Der Kaiser gewann und mit Gewalt wurde der Bau finanziert.

 

Der Sinn eines Kirchengebäudes oder eines sakrales Ortes ist die Sammlung. Ein Ort, wo die Gemeinde zusammen kommt, um Gottes Wort zu hören und das Abendmahl und die Taufe zu empfangen. Es geht um die Gemeinschaft, die dadurch lebt, dass Christ*innen im Glauben zusammen kommen. So werden aus Fremden und Gästen Familienmitglieder und Mitbewohner. Die Orte, die dadurch entstehen, sind einem heilig. Der Ort, wo man geheiratet hat, wo die Kinder, vielleicht sogar man selbst, getauft und konfirmiert wurden. Wo man in schweren Zeiten allein und mit anderen gebetet hat.

Wem so ein Ort heilig ist, der kümmert sich auch darum. Den trifft man auch außerhalb der Gottesdienste in und um das Kirchengebäude an. Der kehrt vielleicht den Kirchhof, gießt die Blumenkästen, putzt ehrenamtlich das Kirchgebäude oder kommt einfach so in die Kirche, um ein Gebet zu sprechen, legt einen Euro in den Opferstock, hilft ehrenamtlich beim Mesnerdienst und sperrt die Kirchentür auf und zu. Bei besonderen Festen, wie Konfirmation und Kirchweih werden Kränze geflochten, geschmückt und alles „herausgeputzt“, um die Feier besonders schön zu machen. Alles, damit die Gemeinde einen schönen Ort hat, an dem sie sich gerne vor Gott versammeln kann, sich wie ein Mitbewohner und Familienmitglied wohl fühlt. Wie ein Zuhause, wo alle die darin leben mit anpacken: den Müll heraus bringen, den Abwasch machen und die Blumen gießen.

Erdogan jedoch ist diese Gemeinschaft der ‚Heiligen‘ genauso egal wie Kaiser Justinian, der die Hagia Sophia erbauen ließ. Es sind Machtpolitiker, die sich als Eigentümer aufspielen, die polarisieren und ihre Günstlinge zu einer heiligen Gemeinde hochstilisieren. Sie nutz(t)en den sakralen Ort, um ihre Machtposition zu untermauern.

Auch wir müssen überlegen, wie wir in Zeiten, in denen Gelder knapper werden, Gottesdienstbesucher und Mitglieder schwinden, Kirchengebäude nutzen wollen. Sollen sie Orte des Machtkampfes sein, an denen man auf Biegen und Brechen fest hält? Als Symbol, dass der christliche Glaube einmal gesellschaftliche und politische Bedeutung hatte? Dass der christliche Glaube über Islam oder Atheismus siegt? Oder wollen wir ‚heilige Orte‘. Orte, wo man sich ein Stück weit zuhause fühlt, wo man sich auch bei der Pflege und Gestaltung beteiligt, weil man Mitbewohner in einem Haus Gottes ist.

Bleiben Sie behütet.

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin. Sigrid Ullmann

 

 

Wochenspruch für Woche 30

Wochenspruch für Woche 30

“So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!” Jes 43,1

 

Alles geht so schön schnell und bequem. Ein Klick hier, ein Klick da, eine kleine Seite tut sich auf dem Bildschirm auf, und ich kann meine Einkaufsliste, meine Wünsche, meine Anregungen, meine Gedanken los werden. Und es funktioniert – das Einkaufen, sich Informieren, Kontakte knüpfen, Gespräche führen via WWW, Email, whatsapp & Co.

Auch seine Kritik kann man auf diese Weise äußern: Ein „Like“ hier, ein Kommentar dort.

Dabei braucht man sich nicht verstecken. Man kann seine Meinung anonym äußern und so das Kind beim Namen nennen.

 

Manchmal entwickelt sich daraus etwas Größeres. Wenn einer anfängt mit seiner Kritik und weitere aufspringen. Wenn eine Äußerung die nächste auslöst, bis schließlich ein Sturm losbricht. Statt dem gut gemeinten Kommentar kommt es dann schnell zu Hass erfüllten Beleidigungen.

 

Logisch. Solange man selber nicht mit seinem Namen für das, was man sagt und tut, gerade stehen muss, kann man mutig sein und gefahrlos die Sau raus lassen. Wenn keiner weiß, wer ich bin, dann nehm` ich mir die Freiheit heraus, zu tun und zu lassen, was ich will. Keiner zieht mich zur Verantwortung – keine Strafe, keine Konsequenzen. Dementsprechend hartherzig und brutal geht es im Netz manchmal bei der sog. Meinungsäußerung zu.

 

Aber ist das wirklich eine freie Meinungsäußerung? Ist das wirklich ernst gemeinte Kritik an etwas, was man besser machen könnte? Oft steckt doch hinter der Freiheit des ein oder anderen kritischen Wortes weniger sachliche Kritik als vielmehr das Gefühl, nicht gehört, nicht gesehen zu werden. Da passieren Dinge in der Welt, die ich nicht steuern, nicht verändern, nicht einmal begreifen kann. Und ich fühle mich hilflos in meiner Angst, dass keiner meine Bedenken und meine Anfragen sieht, die ich an die eine oder andere aktuelle Entwicklung habe.

 

„Fürchte dich nicht“, sagt uns Gott. – Du wirst von mir gehört und gesehen. Deine Erlösung ist bei mir schon beschlossen. Ich habe dich beim Namen gerufen: im Gegensatz zu anonymen Kommentatoren weiß ich ganz genau, wer du bist. Ich kann das Kind beim Namen nennen. Bei dir und bei denjenigen, vor denen du dich fürchtest. Ich kenne deine Ängste, dein unerfülltes Bedürfnis nach Sicherheit. Und du bist und bleibst – ohne, dass du die Sau raus lassen musst – in meiner Hand. „Du bist mein!“ Von diesen Worten geht Gewissheit und Sicherheit aus. Einst für das Volk Israel in der Babylonischen Gefangenschaft, heute bei der Taufe, wo dieses Wort jeden Täufling zugesprochen wird. Es ist Gottes Zusage an uns Christen, die uns von der Angst vor dem Ungewissen nimmt und uns dadurch stark macht.

 

Denn echte Freiheit kann es nur dort geben, wo es starke, freie Menschen gibt, die keine hilflosen Sklaven ihrer Ängste sind. Wer einen Namen hat, hat die innere Freiheit einer eigenen Meinung. Der hat Gott und braucht sich nicht anonym einer namenlosen Masse beim Dreckschleudern anzuschließen.

 

Bleiben Sie behütet.

Alles Gute und Gottes Segen

Wochenspruch für Woche 28

Wochenspruch für Woche 28

„Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Eph 2,8

Liebe Gemeinde,

Es ist heiß und staubig. In einer unwirklichen Landschaft, irgendwo im wilden Westen stehen sich zwei Cowboys Auge in Auge gegenüber. Im Hintergrund ertönt eine Mundharmonika. Sie spielt immer nur monoton eine kurze Sequenz aus vier Tönen. Sogenannte „Blue Notes“, die schräg in den Ohren jucken. Ein Lied, das eingängig, grausam an den Nerven sägt. Dann kommt es zum Showdown. Der Held des Films, erschießt den schwarz gekleideten Bösewicht. Im Angesicht des Todes, fragt der Bösewicht den Cowboy: „Wer bist du?“. Dieser reißt die Mundharmonika, die an seinem Hals hängt, von sich und stopft sie dem anderen in den Mund. Und der versteht: Es ist die selbe Mundharmonika, die der Bösewicht dem Helden des Films einst zum Spaß in den Mund gelegt hat, als er dessen Vater hingerichtet hat. Das geschieht ihm recht.

Egal, ob man den Film und dessen Handlung kennt, man kennt dieses markante Mundharmonika-Solo, die großartige Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“. Der Komponist Ennio Morricone verstarb diese Woche im Alter von 91 Jahren. Es gelang Ennio Morricone das menschliche Gefühlsgeflecht von Wut, Verzweiflung und Hass auf der Suche nach Gerechtigkeit in diesem kurzen Musikstück zu verdichten.

In unserem Leben mag es nun hoffentlich nicht so dramatisch zugehen wie im Western. Doch so manche Verletzungen, Demütigungen und gewisser Ärger können schon tief sitzen. Alte Wunden brechen selbst nach Jahren immer wieder durch. Wenn die alte Melodie erklingt: wenn man an seine Verletzung erinnert wird und sich die Gelegenheit nach Rache ergibt. Dann ist die Versuchung groß, sich die lang ersehnte Gerechtigkeit zu verschaffen. Wie im Western, der für eine gnadenlose Gerechtigkeit steht: Wem die Stunde schlägt, der hat die gerechte Strafe zu erwarten. Dahinter steckt die Vorstellung, dass es gerecht ist, gleiches mit gleichem zu vergelten. „Wie du mir, so ich dir!“ Als könnte man Schuld miteinander verrechnen oder ableisten.

Das mag sich „gerecht“ anfühlen. In Wirklichkeit ist es nur ein Lecken unserer Wunden, die hinter dem Wunsch nach Rache stecken. Dabei müssen sie verbunden werden. Sie müssen heilen dürfen. Wir müssten es zulassen, dass Jesus uns aus unserem Drang nach Rache herausreißt und uns zeigt, dass das Leben viel größer ist als unsere Verletzungen. Anstatt immer wieder das Lied vom Tod anzustimmen, können wir darauf vertrauen, dass es bei Gott die letzte Gerechtigkeit gibt. Und dass er uns ein Leben eröffnet, das viel größer und schöner ist als die triste Einöde eines Westerns.

Er ist gnädig zu uns Menschen. Für ihn zählt, dass wir an ihn glauben. Nicht, weil wir es verdient hätten. Sondern weil Gott uns aus unserer Verletzung retten will und uns – aus purer Gnade – das Lied zum Leben spielt.

 

Bleiben Sie behütet,

alles Gute und Gottes Segen

 

Pfrin. Sigrid Ullmann

Wochenspruch für Woche 28

Wochenspruch für Woche 28

„Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Gal 6,2

 

Liebe Gemeinde,

seit letztem Donnerstag ist es beschlossene Sache: Die Grundrente für alle kommt. Bezugsberechtigt ist jede(r), der/die mindestens 33 Jahre gearbeitet, Kinder großgezogen oder Familienangehörige gepflegt hat. Gut – das sind ehrenhafte Tätigkeiten, die bisher wenig berücksichtigt wurden. Dennoch sitzt der Ärger bei manch einem tief: Ist die Grundrente nicht unfair gegenüber jenen, die seit der Lehre immer Vollzeit gearbeitet und brav eingezahlt haben? 40 Jahre und mehr. Und am Ende nicht mehr besser da stehen als die Nichteinzahler? Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Dahinter steckt die Logik: Wer viel geschafft hat, darf auch viel kriegen. Wer weniger geleistet hat, muss sich eben mit weniger begnügen. Sonst passt das ganze System nicht mehr. Deshalb können wir als Gesellschaft nicht einfach die Lasten von denjenigen tragen, die zu wenig in die Kasse eingezahlt haben.

Als Christen werden wir vom heutigen Wochenspruch aufgefordert, es dennoch zu tun. Damit wir das Gesetz Christi erfüllen. Damit wir verstehen, was die Gerechtigkeit ist, die bei Gott gilt: das Gesetz, das Jesus gelebt hat. Indem er zu denen gegangen ist, die es nicht verdient hatten: die chancenlos waren, die nicht genügend vorweisen konnten, nicht mehr mitkamen. Bei Gott liegt die „Würde“ eines Menschen nicht am Geld oder an seiner Produktivität, sondern darin, dass er von Gott geliebt ist. Wer dies anerkennt, der erfüllt die Gerechtigkeit Gottes.

 

Einer trage des anderen Last – auch wenn der andere „nur“ sein Minimum gezahlt hat, weil es aus welchen Umständen auch immer nur zum „Minijob“ reichte.

 

Es mag dem ein oder anderen manchmal ungerecht vorkommen, wenn die Allgemeinheit für Menschen aufkommt, die weniger Leistungen vorzuweisen haben. Doch nach Gottes Gesetz hängt das, was jemand verdient hat, nicht an dem, was er geleistet hat. Sondern an seiner Würde. Die gibt Gott uns allen.

 

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

 

Pfrin. Sigrid Ullmann

Ab Sonntag 17. Mai 2020 wieder Gottesdienste!

 

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