Wochenspruch für Woche 15

Wochenspruch für Woche 15

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Liebe Gemeinde,

täglich sehen wir es in den Medien: Statistiken und Zahlen, die steigen – bei den Infizierten, den Toten, den harten Schicksalen in Deutschland, Italien, Spanien, England, in der USA, in der Welt. Man zählt die Betten in der Intensivmedizin, die Beatmungsgeräte, die Schutzkleidung. Man zählt die Insolvenzanträge, die Arbeitslosen. Es wird einem Angst bei dem Tempo und der Höhe der Zahlen. Die Frage taucht auf: „Ist Covid 19 Strafe Gottes? Hat Gott die Menschheit bewusst auf einen Leidensweg geschickt?“

 

 

 

 

 

Das Schriftwort, das über dieser Woche steht, nimmt Bezug auf einen biblischen Leidensweg. Die Israeliten durchqueren auf ihrem Weg ins gelobte Land ein Tal voller giftiger Schlangen – und werden gerettet, indem sie auf eine metallene Schlange sehen, die auf einem Stab in die Höhe gehalten wird. Ein Bild dafür, worauf wir den Blick richten. Ob wir mit unserer Blickrichtung unten bleiben, bei uns und unseren Zahlen und Statistiken. Oder ob wir nach oben zum Himmel hochsehen. Woran wir glauben, was wichtig für uns ist.

In vielen Gegenden war und ist es heute noch üblich, dass bei Bestattungen ein Kreuz auf dem Weg zum Friedhof vorangetragen wird. Wie bei der biblischen Geschichte mit der Schlange. Im Angesicht von Schmerz, Traurigkeit und Tod den Blick nach oben auf das Kreuz richten. Der Blick, der Leben auch nach Leid und Tod verheißt.

Ist Covid 19 eine Strafe Gottes? Vielleicht hat sich der Mensch in seinem Wohlstand und seiner Überheblichkeit selbst bestraft. Anstatt den Blick nach oben zu richten, hat er die meiste Zeit auf sich selbst geschaut und keine Zufriedenheit und Erfüllung gefunden. Der Wohlstand hat uns zwar reich, aber nicht glücklich gemacht. Er hat uns entfernt von dem, was wirklich wichtig ist.

Manche von uns sehen im Leidensweg mit Covid 19 nach oben zu Gott, auf das, was zählt. Sie stellen ihr Leben um und spüren die Veränderung: Es wird ruhiger, langsamer. Wir verbringen viel Zeit zu Hause. Zeit, die wir nutzen können, um liegengebliebenes anzugehen, zu ordnen und uns neu zu sortieren. Von Wohlstandsproblemen zur Angst vor dem Überleben – wir haben eine beachtliche Wandlung in den letzten drei Wochen durchgemacht, Prioritäten verändert. Die Wahrnehmung geschärft auf einem gemeinsamen globalen Leidensweg. Um der Einsamkeit zu entgehen, können wir Freunde, Familie anrufen und uns wieder um alte Kontakte kümmern. Es sind Zeiten der Einkehr und der Besinnung. Vielleicht hinterfragen wir sogar unser Leben, unsere Rolle in der Gesellschaft vor (und nach) der Epidemie. Indem wir den Blick nach oben richten. Auf das, woran wir glauben, was wichtig ist. Und was und wer uns trägt – durch die Angst der hohen Zahlen, durch die Arbeitslosigkeit, vielleicht sogar durch Krankheit und Tod hindurch.

Der Blick nach oben, auf den erhöhten Jesus zeigt uns: es geht weiter. Es gibt wichtigeres. Es gibt Leben, das stärker ist als Krankheit, Arbeitslosigkeit, ja sogar als der Tod.

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin Sigrid Ullmann

Unsere Osterkerzen sind gebastelt.

Unsere Osterkerzen sind gebastelt.

 

Wie in jedem Jahr haben MK, PP, Gut Deutschof und St. Lukas, plus die kleine Osterkerze in St. Elisabeth in ökumenischer Verbundenheit die gleiche Osterkerze. Das Motiv ist immer durch die Jahreslosung der evangelischen Kirche inspiriert. Für 2020: Ich glaube, hilf meinem Unglauben (MK 9,24)

Kleine Kerzen stehen in der Kirche Peter und Paul – zum Mitnehmen gegen eine Spende

 

Onlineandacht zur 5. Sonntag in der Passionszeit (29.03.2020).

Liebe Geschwister in Christus,

haben Sie ETWAS vermisst?

Bestimmt hat jeder Mensch in dieser Zeit der Corona-Krise etwas vermisst. Die Lehr- und Erzieherkräfte vermissen die Schreie oder Stimme der Kinder. Die Leute, die in den Geschäften arbeiten vermissen ihre Kunden, denen sie ganz nah kommen und sie fragen, „Kann ich Ihnen helfen?“ Die Menschen, die im Büro arbeiten vermissen ihre Kolleg*innen, wem sie jeden Arbeitstag früh Hände schütteln oder sich kurz unterhalten bis ihr Computer an wird.  

Auch in der Kirche vermissen wir vieles. Manche vermissen ihre liturgischen Orte, wo sie sonntags stehen und Menschen vor Gott bringen. Manche vermissen die Kanzeln, wo sie stehen und das Evangelium verkündigen. Manche vermissen Pult, wo sie Lektionar aufschlagen und die Bibeltexte vorlesen oder Abkündigungen vorlesen. Manche vermissen die Kerzenständer, wo sie die Kerzen entzünden, um zu zeigen, dass Jesus das Licht der Welt ist. Manche vermissen die Empore, wo sie den Gottesdienst mit Musik begleiten und die Besucher und Besucherinnen damit erfreuen. Manche vermissen ihren bestimmten Sitzplatz in der Kirche.

Es gibt noch was wir vermissen. Singen, beten, Live-predigten, Gemeinschaft, Kirchenkaffe und Gespräche miteinander und vieles mehr. Ja, wie wir momentan mit unseren Situationen umgehen und die Lösungen in dieser Zeit sind ungewöhnlich, vielleicht auch unangenehm. Es war genauso bei Abraham, der aufgefordert wurde, um etwas Ungewöhnliches zu tun, wie steht in der Lesung für den heutigen Sonntag im 1Mose 22, 1-19. In diesem Text steht geschrieben, dass Abraham in das Land Morija gehen und seinen Sohn Isaak opfern sollte. Abraham hat bisherig keine Gotteserfahrungen über Kinderopfern um Gott zu gefallen. Sie waren zu jener Zeit auch in heidnischen Kulten selten. Ungewöhnlich war für Abraham nicht nur das Opfer eines Kindes, sondern auch der Ort. Dort gibt es keinen Tempel, keinen Altar. Es ist nicht ein Ort wo man Gott ein Brandopfer opfern kann. Ungewöhnlich, Unbequem, Unangenehm.  

Es ist auch genauso bei uns in diesem Corona-Risiko. Allein zu Hause zu bleiben, Isoliert zu werden, Abstand von Menschen zu nehmen, jeden Tag die Todesfälle in vielen Ländern wegen eines winzigen Virus zu hören, die Lebensmittel in den Supermärkten schnell weg zu werden und vieles mehr sind nicht was überhaupt passieren sollten. Wir sind aber von dieser Krise aufgefordert, so eine Situation zu erleben. Vielleicht kommen wir nicht zu recht mit Online-Andacht, -Treffen oder andere Online- Veranstaltungen. Unser Altar zu Hause (falls es gibt) wo wir unsere Kerzen entzünden und zu Gott beten, unser Singen entweder allein oder mit Familie gefallen uns vielleicht nicht genau wie wir sie mit anderen Christen und Christinnen in der Kirche erlebt haben. Fast alle Menschen fragen, wie lange diese Krise dauern kann.   

Durch eine ungewöhnliche und unangenehme Situation erscheint aber, liebe Schwestern und Brüder, eine neue Gotteserfahrung. Auf dem ungewöhnlichen Ort hat Abraham einen Altar für sein Brandopfer gebaut. Dort begegnet Abraham dem Engel Gottes. Dem Engel Gottes, der mit einer Befreiungsbotschaft zu ihm gekommen ist. Abraham hat dem Ort einen neuen Namen gegeben, „Der Herr sieht! Abraham war Gott gehorsam. Sein Sohn Isaak wurde gerettet. Anstatt seines Sohnes wurde ein Widder geopfert. Abraham und seine Nachkommen wurden gesegnet. Auf dem Berg in Morija, wo Abraham seinen Sohn opfern sollte, hatte David später einen Altar für Gott errichtet (2 Sam 24, 16ff.). Dort hat Salomo später seinen Tempel errichtet (2 Chr. 3,1). Der unbequeme Ort, die unbequeme Situation wurde für Abraham und viele Menschen zu einem Segen.

Deshalb sollen wir in dieser Zeit Gott gehorsam sein, wie Abraham. Wir sollen eine neue Erfahrung mit Gott sammeln, obwohl diese Krise unfassbar und untragbar ist. Durch diese ungewöhnliche Gotteserfahrung können wir den Wegen Gottes neu begegnen. Die Wege Gottes, die uns zu einer Freude führt. Die uns zu einer lebendigen Gemeinschaft in der Gesellschaft, in der Familie und in der Kirche führt. Lasst uns diese Zeit als eine Chance nutzen, um nachzudenken über einen guten Familienzusammenhalt, gute Gemeinschaft, große Interesse an Teilnahme an den Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen und vieles mehr, die in unserer Generation als altmodisch angesehen wurden. Alles was wir in dieser ungewöhnlichen Zeit vermisst haben, lädt uns ein, um wahrzunehmen wie es uns wichtig ist. Es lädt uns ein, um zu erleben, wie Gott in unbequemen Zeiten auch in unserem Leben erscheint und eingreift, um uns eine Frohbotschaft der Rettung hören zu lassen, wie Abraham. Die Rettungsbotschaft, die im Neuen Testament durch Osterfreude offenbart wurde. Wenn wir glauben, dass Gott uns und alle seine Geschöpfe sieht, dann erfahren wir ihn und seinen Weg neu.  Amen.  

Gott segne sein Wort an uns allen. Bleiben Sie behütet.

Pfr. Mulugeta

Wochenspruch für Woche 14

Wochenspruch für Woche 14

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ Mt 20,28

 

Liebe Gemeinde,

die Klopapierrolle – sie ist zu einem Symbol geworden. Das Symbol unserer Angst vor den nächsten Wochen. Immer wieder sieht man in den Geschäften leere Regale. Menschen kaufen aus Panik, dass das öffentliche Leben zusammenbricht und wir unsere Grundbedürfnisse nach Nahrung und Hygiene nicht mehr befriedigen können.

Wir wollen Sicherheit und legen Vorräte an. So wie der Hamster alles Fressbare in seine großen Hamsterbacken stopft. Um dann zu Hause seine Hamsterbacken in der eigenen Futterhöhle auszuleeren. Wo er dann im Winter schläft und von seinen Vorräten lebt.

Dem Hamster kostet es viel Mühe. Uns kostet Hamstern nicht nur viel Geld, sondern es ist eine Botschaft: „Ich zuerst!“ Es bewirkt, dass der Nächste, der die leeren Regale sieht, Angst bekommt, dass für ihn nichts mehr übrigbleibt und anfängt mit Hamstern. Es entsteht eine Hamster-Angst-Spirale.

Dabei wissen wir alle, wenn unsere Lieben oder wir selber mit einer Lungenentzündung an einer Beatmungsmaschine in der Intensivstation hängen, dass uns 1 000 Rollen Klopapier nichts nutzen werden. Losgekauft vom Leiden oder vom Tod haben wir uns nicht.

Freikaufen, dass ist Gedanke des Lösegelds. Lösegeld bedeutet, dass ich gefangen bin und mich mit Geld freikaufen kann. Doch kein Geld der Welt wird uns vor einem Virus, einer Weltwirtschaftskrise, Schmerzen und Tod freikaufen können. Aus diesem Gefängnis, der Unsicherheit, können wir uns nicht freikaufen.

Darum geht es in unserem Schriftwort: Als Jesus in unsere Welt gekommen ist, hat er uns ein anderes Vorbild gegeben: Den Diener. Einen Menschen, der für Andere da ist, um ihnen zu helfen. Seine Botschaft an uns: „Der Notleidende zuerst!“ Denn nur mit dem Dienst am Nächsten wird unsere Welt zu einer besseren und schicheren Welt. Wo Menschen sich aufeinander verlassen können, da ist für uns alle gesorgt!  Da ist echte Sicherheit! Den Diener, der sein Leben gab, um unsere Herzen „frei“ zu machen von unserem Egoismus und dem Hamster in uns. Um uns das Signal zu geben: „Für dich ist gesorgt!“

So ist es in unseren heutigen Tagen der größte Dienst aneinander gerade dafür zur Sorgen, dass das öffentliche Leben nicht zusammenbricht, indem wir unseren Beitrags dazu leisten: Unseren Aufgaben und Pflichten nach zu gehen. Sei es die alltäglichen Arbeit, die Hausaufgaben, alles, damit unser Land weiter so gut funktioniert.

Bleiben Sie behütet!

Alles Gute und Gottes Segen

Pfrin Sigrid Ullmann

Wochenspruch für Woche 13

Wochenspruch für Woche 13

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Joh 12,24

..Wochenspruch 13 KW

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Joh 12,24

 

Liebe Gemeinde,

“Mama, ich kann nicht mehr denken.

Ich glaub’, ich hab’ Fieber.

Ich glaube, ich will das nicht.

Mama, was soll ich jetzt machen?

Ich glaub’, ich muss sterben.

Was, wenn mein Herz zerbricht?“

 

Diese Worte singt Sarah Conner in ihrem Schlager „Vincent“. Es geht um ganz unterschiedliche Menschen, aber Eines haben sie gemeinsam: Sie sind verliebt. Dieses Gefühl der Liebe und Hingabe zu einem Menschen ist so stark, dass es richtig weh tut.

Die Erfahrung, dass Liebe uns an unsere Grenzen bring, dass es richtig weh tut, die kennen wir alle. Und dann? Wie die Mutter in dem Lied „Vincent“ weiter rät: alles mit sich selber, alleine ausmachen, abwarten, bis sich die Gefühle wieder beruhigt haben?

Als Christen wissen wir, dass Gott uns Menschen so geliebt hat, dass er an dieser Liebe immer gelitten hat. Doch Gott hat diese Gefühle nicht mit sich alleine ausgemacht und hat abgewartet, ob aus uns Menschen noch etwas wird. Er hat uns seinen Sohn gesandt, der uns seine Liebe gezeigt hat. Aus Liebe zu uns ist er verletzlich geworden und ist gestorben, damit auch wir verstehen, wie groß seine Liebe zu uns ist.

Vernünftig war das sicher nicht. Aber Jesu Tod am Kreuz hat unser Leben auf unserem Planeten auf den Kopf gestellt. Auch in dem Lied „Vincent“ belassen es die Menschen nicht dabei. Sie entscheiden sich dafür, das alte Leben sterben zu lassen und aus Liebe ein neues Leben anzufangen.

Ruhig mal aus Liebe das Alte begraben und Neues wachsen zu lassen. Genau darum geht es in unserm Schriftwort. Das Bild vom Weizenkorn, das in der Erde sein altes „Leben“ hinter sich lässt und aufbricht zu neuem „Leben“, um eine Pflanze zu werden und dabei sich kräftig vermehrt.

Wenn wir in unserem Herzen die Liebe zu unserem Nächsten spüren, weil wir gerade in diesen außergewöhnlichen Tagen das Leid sehen, dann sollen wir Verantwortung für dieses Gefühl übernehmen und uns nicht verschließen. Auch wenn es weh tut und für uns ein Umdenken bedeutet. Wir unser liebgewonnenes alte Leben, damit hinter uns lassen:

Ob wir einfach nur auf Abstand gehen, für „Risikogruppen“ einkaufen gehen, im Krankenhaus mithelfen, … Jeder von uns zählt. Wir sind die kleinen Weizenkörner, die mit gutem Vorbild vorangehen können, damit aus unserem Vorbild viele Nachfolgen und ihrerseits zu Vorbildern werden.

Bleiben Sie behütet.

Alles Gute und Gottes Segen.

Pfrin. Ullmann