„Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Eph 2,8

Liebe Gemeinde,

Es ist heiß und staubig. In einer unwirklichen Landschaft, irgendwo im wilden Westen stehen sich zwei Cowboys Auge in Auge gegenüber. Im Hintergrund ertönt eine Mundharmonika. Sie spielt immer nur monoton eine kurze Sequenz aus vier Tönen. Sogenannte „Blue Notes“, die schräg in den Ohren jucken. Ein Lied, das eingängig, grausam an den Nerven sägt. Dann kommt es zum Showdown. Der Held des Films, erschießt den schwarz gekleideten Bösewicht. Im Angesicht des Todes, fragt der Bösewicht den Cowboy: „Wer bist du?“. Dieser reißt die Mundharmonika, die an seinem Hals hängt, von sich und stopft sie dem anderen in den Mund. Und der versteht: Es ist die selbe Mundharmonika, die der Bösewicht dem Helden des Films einst zum Spaß in den Mund gelegt hat, als er dessen Vater hingerichtet hat. Das geschieht ihm recht.

Egal, ob man den Film und dessen Handlung kennt, man kennt dieses markante Mundharmonika-Solo, die großartige Filmmusik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“. Der Komponist Ennio Morricone verstarb diese Woche im Alter von 91 Jahren. Es gelang Ennio Morricone das menschliche Gefühlsgeflecht von Wut, Verzweiflung und Hass auf der Suche nach Gerechtigkeit in diesem kurzen Musikstück zu verdichten.

In unserem Leben mag es nun hoffentlich nicht so dramatisch zugehen wie im Western. Doch so manche Verletzungen, Demütigungen und gewisser Ärger können schon tief sitzen. Alte Wunden brechen selbst nach Jahren immer wieder durch. Wenn die alte Melodie erklingt: wenn man an seine Verletzung erinnert wird und sich die Gelegenheit nach Rache ergibt. Dann ist die Versuchung groß, sich die lang ersehnte Gerechtigkeit zu verschaffen. Wie im Western, der für eine gnadenlose Gerechtigkeit steht: Wem die Stunde schlägt, der hat die gerechte Strafe zu erwarten. Dahinter steckt die Vorstellung, dass es gerecht ist, gleiches mit gleichem zu vergelten. „Wie du mir, so ich dir!“ Als könnte man Schuld miteinander verrechnen oder ableisten.

Das mag sich „gerecht“ anfühlen. In Wirklichkeit ist es nur ein Lecken unserer Wunden, die hinter dem Wunsch nach Rache stecken. Dabei müssen sie verbunden werden. Sie müssen heilen dürfen. Wir müssten es zulassen, dass Jesus uns aus unserem Drang nach Rache herausreißt und uns zeigt, dass das Leben viel größer ist als unsere Verletzungen. Anstatt immer wieder das Lied vom Tod anzustimmen, können wir darauf vertrauen, dass es bei Gott die letzte Gerechtigkeit gibt. Und dass er uns ein Leben eröffnet, das viel größer und schöner ist als die triste Einöde eines Westerns.

Er ist gnädig zu uns Menschen. Für ihn zählt, dass wir an ihn glauben. Nicht, weil wir es verdient hätten. Sondern weil Gott uns aus unserer Verletzung retten will und uns – aus purer Gnade – das Lied zum Leben spielt.

 

Bleiben Sie behütet,

alles Gute und Gottes Segen

 

Pfrin. Sigrid Ullmann

Ab Sonntag 17. Mai 2020 wieder Gottesdienste!

 

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