„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ 2 Kor 13,13

Schwer zu ertragende Bilder sind es, die wir diese zwei Wochen aus der USA sehen. Tausende gehen auf die Straße, um gegen Polizeigewalt und für mehr Gerechtigkeit gegenüber der farbigen Bevölkerung zu demonstrieren. Nachts dagegen werden Geschäfte, Häuser und Straßen verwüstet, eine Kirche angezündet. Der  Präsident mit der Bibel in der Hand vor dieser Kirche, erkämpft mit Tränengas gegen friedliche Demonstranten. Sein Standpunkt ist klar: Er will für Recht und Ordnung sorgen: Häuser anzünden, Geschäfte ausrauben – das geht gar nicht und hat nichts mit Bürgerrechten und sozialer Gerechtigkeit zu tun. Der Frieden im Land muss wieder hergestellt werden, notfalls mit der Nationalgarde oder dem Militär. Doch muss der Frieden, Recht und Ordnung wirklich so wieder hergestellt werden? Das diskutieren im Augenblick viele: Polizisten solidarisieren sich. Ein Polizeichef kniet nieder, bittet um Vergebung. Da sind Forderungen nach Trost, Verständnis, Liebe, Versöhnung.

Man spürt, irgendwie passt das nicht zusammen: Der Präsident ist der Fromme mit der Bibel, der in den Gottesdienst geht, Gottes Gebote und die Schöpfungsordnung einsetzt, aber für Gnade, Liebe und Gemeinschaft mit der farbigen Bevölkerung hat er nichts übrig. Viele Kirchenvertreter kritisieren ihn dafür. Doch es wird wohl viele Christen in seinem Land geben, die das gut finden und ihn gerade dafür wieder wählen werden. So wie es bei uns, auch in unserer Kirche, in unseren Gemeinden Gläubige gibt, denen ihre persönliche Beziehung zu Gott oder zu Jesus wichtiger ist als die Gemeinschaft zu ihren Mitmenschen. Je schwieriger die Beziehung zum anderen ist, desto mehr Gewalt verbal, schriftlich und physisch ist gerechtfertigt, um die „Ungläubigen“ wieder auf Spur zu bringen oder gleich ganz loszuwerden. Die Folgen sind demütigen, beleidigen, ausschließen im Namen Gottes.

Schon sehr früh hat die christliche Gemeinde gemerkt, was für eine Gefahr davon ausgeht, wenn wir im  Glauben nur eine Seite, einen Wesenszug Gottes anbeten, lieben und verkünden. Deshalb schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ Gott hat drei Wesenszüge oder Gestalten. Ein einfaches Bild dafür das dreiblättrige Kleeblatt: Ein Blatt und zugleich drei Blätter. Wenn man ein Blatt abzupft, ist es nicht mehr vollständig. Ein zweiblättriger Klee ist nun mal gar kein Klee mehr.

So verhält es sich mit dem Glauben:

Nicht überall, wo Mensch sich an den einen Wesenszug halten, herrschen automatisch die anderen.

Man kann die Liebe Gottes in sich tragen, ein sehr liebevoller, frommer Mensch sein, und zugleich ungnädig und selbstbezogen.

Man kann die Gnade unseres Herrn Jesus Christus leben, ein gnädiger, frommer Mensch sein und zugleich lieblos und einsam.

Man kann die Gemeinschaft des Heiligen Geistes erfahren, ein sozialer, spiritueller Mensch sein und zugleich eitel, rechthaberisch und ungnädig.

Es ist eine Herausforderung alle drei Wesenszüge Gottes wertzuschätzen, zu loben, zu leben, deshalb ist es eine Segensformel an uns: Wenn alle drei mit Euch sind, dann gilt wirklich der ganze Segen auf Eurem Worten, Denken, Handeln.

Bleiben Sie behütet

Alles Gute und Gottes Segen

Ab Sonntag 17. Mai 2020 wieder Gottesdienste!

 

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