„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Joh 12,32 „Du fehlst mir!“ So haben wir alle in den vergangenen Tagen und Wochen empfunden. Es war hart in der Zeit des Lockdowns Freunde und Familienangehörige nicht sehen zu können. Die Kontaktbeschränkungen waren schwer einzuhalten, weil man mit Arbeitskollegen nicht wie gewohnt umgehen konnte, es keine Zusammenkünfte im Sportverein oder am Stammtisch mehr gab bzw. teilweise immer noch nicht gibt. In solchen Situationen fehlt einem die eine oder der andere: Sein Optimismus, ihre Fröhlichkeit, die gute Stimmung im vertrauten Kreis oder einfach nur das wohltuende Zusammensein. Wir vermissen die gute Routine, in der man sich wohlfühlt. Auch die Sicherheit, dass alles seinen Gang geht. Der Lockdown lockert sich und das Leben kommt langsam wieder in Schwung, aber die Unsicherheit und Ungewissheit im Umgang miteinander bleibt. Manche sind verbittert und fragen sich: „Muss diese Isolation überhaupt sein?“ Was wird in Zukunft richtig und wichtig sein? „Du fehlst mir!“ denke wir manchmal in schweren Stunden, wenn wir alleine sind. Wo bist du Gott? Du fehlst mir! Deine Sicherheit und Klarheit. Die Gewissheit, dass es weiter geht und wir auf dem richtigen Weg sind. „Du fehlst mir!“ denken die Jünger, als sie an Himmelfahrt Abschied von Jesus genommen hatten. Als sie nun auf sich selbst gestellt waren.
Doch sie erinnern sich auch an das, was Jesus zu ihnen sagte, als er am Abend vor seinem Tod über ihre Zukunft redete: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ sagt Jesus zu seinen Jüngern in Jerusalem, als er noch bei ihnen ist. Denn er weiß, dass es eine schlimme, verstörende Zeit für seine Jünger sein wird, wenn er am Kreuz stirbt, aufersteht und dann in den Himmel auffahren wird. Seine Jünger werden alleine sein und ihn vermissen werden. Er spricht mit Blick auf uns, denen seine Gegenwart, seine Anwesenheit fehlt. Gerade jetzt, wo wir so manches lieb Gewonnene vermissen. Als Jesus unter Menschen ging, als er zur Umkehr aufrief und heilte und sich für eine bessere Welt einsetzte, da merkte jede(r): Hier ist was Besonderes im Gange. Da ist etwas Göttliches, das uns himmelwärts zieht. In diesem Jesus, in seinem Verhalten zieht uns etwas hoch, erhöht uns etwas: die liebevolle Art, wie er mit seinen Mitmenschen umgegangen ist. Wie er Kinder und Frauen geachtet und einbezogen hat. Wie er mit den Schwachen und Ausgestoßenen verständnisvoll und doch fordernd umgegangen ist. Das ist der richtige Weg, der Zukunft hat und zum Ziel führt. Der die Jünger stark gemacht hat und ihnen eine Richtung vor gegeben: aufwärts. Zu einer himmlischen Art des Zusammenlebens. Wo man sich wohl fühlt und es einem gut geht. „Du fehlst mir!“ sagen oder denken wir manchmal, weil wir die liebevolle Art, die besondere Wertschätzung eines nahen Menschen vermissen. Worte und Gesten, die uns stark machen, uns erhöhen. Und die Sicherheit geben, dass wir richtig leben und es gut ist und wird und Zukunft hat. „Du fehlst mir!“ denken wir, wenn wir Gottes Gegenwart vermissen. Seine Geborgenheit, die Sicherheit, dass das Leben in richtige Richtung geht und am Ende alles gut wird. Diese Woche haben wir Himmelfahrt gefeiert. Da geht es genau um dieses sehnsuchtsvolle Vermissen, das Gott uns zumutet. Warum mutet er uns das zu? Wozu der Abschied an Himmelfahrt? Warum entzieht sich Gott? Damit die Jünger selbständig werden, sich emanzipieren und selber am Reich Gottes auf Erden arbeiten. Auf den Weg himmelwärts machen. Sich von Jesus, von dem, was er uns vorlebte und vermittelte, nach oben, zu einem besseren Miteinander ziehen zu lassen. Auch wir sollen nun von uns aus diese Richtung einschlagen: aufwärts, himmelwärts. Wir erfahren Gottes Liebe, wo wir uns zu Jesus hingezogen fühlen. Wenn wir mit unseren Mitmenschen so liebevoll umgehen, wie Jesus mit seinen Mitmenschen umgegangen ist. Dann wissen wir, wo der Weg entlang führt und was in Zukunft gut und wohltuend, richtig und wichtig sein wird. Bleiben Sie behütet. Alles Gute und Gottes Segen. Pfrin. Sigrid Ullmann

Ab Sonntag 17. Mai 2020 wieder Gottesdienste!

 

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